So werden Sie zum Imker

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Wie aufwendig ist es, Bienen zu halten? Bevor sich Volontärin Anja an das Abenteuer „Meine eigenen Bienen“ wagt, blickt sie lieber noch ihrem Onkel Friedrich, einem Imker, ein Jahr lang über die Schulter.

Die Bienenkästen stehen auf einer kleinen Anhöhe, umringt von Obstbäumen. Die warme Morgensonne spiegelt sich in den Wassertropfen, die der nächtliche Regen auf Blättern und Gräsern hinterlassen hat. Weiter unten auf der Wiese, unter den Ästen eines Kirschbaums, ist ein monotones Summen zu hören. Wie kleine Feen mit silbrig schimmernden Flügeln tanzen die Bienen vor dem Flugloch umher.

Das große Schwärmen

Wer sich für die Bienenhaltung interessiert, besucht am besten vorher einen Imkerkurs für Anfänger. Auch ein Mentor, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, ist hilfreich. Ich habe Glück, denn mein Onkel Friedrich ist Imker. Seit er vor sieben Jahren in Rente gegangen ist, widmet er sich mit viel Leidenschaft seinen sieben Bienenvölkern. Es ist ein sonniger Tag im Mai, und der Frühling hat die Natur in ein zartes Kleid aus Blüten gehüllt. Für die Bienen bedeutet das: Schwarmzeit. Die Völker meines Onkels sind enorm gewachsen, und allmählich wird es eng in den Kästen. Greift der Imker nicht ein, schwärmt ein Teil der Bienen mit der Königin aus, um sich eine neue Bleibe zu suchen. Honig produzieren sie während dieser Zeit eher wenig. Doch es gibt mehrere Methoden, um die Tiere am Schwärmen zu hindern, zum Beispiel den Zwischenbodenableger. „Dafür müssen wir das Volk trennen“, sagt Friedrich und reicht mir einen Imkerschleier.

Er selbst trägt so gut wie nie Schutzkleidung, nur einen Anglerhut. Kärntner Bienen, eine Art, zu der auch seine Schützlinge gehören, sind sehr sanftmütig. Behände streift sich mein Onkel ein Paar Handschuhe über und öffnet einen der hölzernen Kästen. Ein lautes Brummen ertönt, als sich eine dicke Wolke Rauch auf die Bienen legt. „Der Smoker simuliert einen Brand“, erklärt Friedrich. „Die Bienen bereiten sich auf die Flucht vor und sind abgelenkt.“ Vorsichtig hebt er die oberste Zarge, den Honigraum, ab und kippt den Brutraum darunter leicht nach hinten. Er deutet auf eine besonders große Wabenzelle, die wie ein winziger Beutel aussieht. „Das ist eine Weiselzelle. Darin wächst die neue Königin heran. Die Bienen werden mit der alten also bald ausfliegen.“ Vorsichtig stellen wir auch die beiden Bruträume zur Seite, heben je eine Wabe aus dem Honig- und dem Brutraum an und tauschen sie gegeneinander aus. „Jetzt stellen wir den Honigraum auf den Beuteboden und trennen ihn mit einem Deckel von den beiden Bruträumen. Die wiederum stellen wir obendrauf auf einen Zwischenboden mit separatem Flugloch“, erläutert mein Onkel.  Die Flugbienen werden Honig und Brut in die untere Zarge folgen, und der Schwarmtrieb des Volkes erlischt. „Nach zehn Tagen wird alles wieder rückgängig gemacht und die Weiselzellen auf der Brutwabe im Honigraum entfernt“, schließt er.

Ein neues Bienenvolk

Freuen Sie sich auf ihr neues Bienenvolk

Vorbei an dichten Büschen und weiten Ackerflächen fahren wir mit dem Geländewagen meines Onkel zu seinem Haus, etwa fünf Kilometer vom Hesselberg entfernt. Zwischen knorrigen Obstbäumen stehen drei Bienenkästen. „Möchte man ein neues Volk gründen und so trotz Schwarmverhinderung wieder Platz im Bienenvolk schaffen, bildet man einen Ableger“, klärt mich Friedrich auf, stellt die Honigräume zweier Beuten zur Seite und hebt mit dem Stockmeißel jeweils eine Brutwabe an. Dann hängt er sie samt aufsitzenden Bienen in die Mitte einer kleinen Zarge und vervollständigt sie mit einer Futter- und zwei Leerwaben. „Die Königin muss aber im Altvolk bleiben“, sagt mein Onkel, kehrt mit einer Gänsefeder ein paar Bienen in den Ablegerkasten und schließt den Deckel. „Jetzt bringen wir den Ableger auf den Berg, weg vom Garten. Sonst fliegen die Bienen wieder zurück in ihr altes Zuhause.“ Das neue Volk, erklärt er, ziehe sich eine neue Königin nach, werde schon bald wachsen und könne im Laufe des Sommers auf zehn Waben erweitert werden. Vergnügt beobachte ich die kleinen Insekten, wie sie emsig von Blüte zu Blüte schwirren, und träume von der honigsüßen Salatsoße von Tante Hildegard, Friedrichs Frau. Schon jetzt freue ich mich auf den „meinen“ ersten Honig, den ich in ein paar Monaten probieren kann.

5 Kommentare auch kommentieren

  1. Franz sagt:

    Vielen Dank für die Tipps! Das Thema Imkerei hat mich schon lange interessiert. Nun, wo wir unseren Garten endlich mit einem guten Zaun gegen unbefugtes Eindringen geschützt haben, kann ich mir gut vorstellen Bienen zu halten.

  2. Dagmar sagt:

    Wenn man Bienen im eigenen Garten hält, dann muss man beachten, dass man auf Mittel verzichtet, die die Tiere schädigen können. Pestizide sind dann tabu. Besser sind Effektive Mikroorganismen.

  3. Tom sagt:

    Ich würde jetzt keine Bienen im meinem Garten halten wollen aber Imker zu sein fände ich schon interessant

  4. Klara sagt:

    Sollten die Bienen aussterben – und im Moment ist die Situation ziemlich bedrohlich – sterben auch 80% der Pflanzen aus. Das heißt aber nicht nur kein Obst, kein Gemüse und keine Blumen mehr, sondern das vergehen ganzer Ökosysteme.

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